Bouldern in der Eifel – Sommer, Sonne, Elefanten und Panzerknacker

Palmsonntag – Die Sonne weckt mich schon früh, um halb acht halte ich es einfach nicht mehr im Bett aus.

Dirk in Panzerknacker, Sektor Elefant, Burgbrohl/ Glees,

Startgriffe von Panzerknacker

Bis zu 25 Grad verspricht der Wetterbericht, und das Anfang April. Genau richtig, um das erste Mal in diesem Jahr mal wieder echte Steine zwischen die Finger zu bekommen.

Perfektes Boulderwetter in Burgbrohl, einfachmalraus.net

Perfektes Boulderwetter in Burgbrohl

Da ich in der letzten Zeit viel häufiger ohne als mit Seil in der Kletterhalle unterwegs war, ist die Entscheidung schnell gefallen. Bouldern also. Aber wo hin? Ins Ruhrtal? Da war ich noch nicht. Nach Ettringen? Da will ich doch wieder mein Seil mitnehmen. Außerdem ist da bei diesem Wetter sicher wieder viel zu viel los. Also ab nach Glees, genauer gesagt nach Burgbrohl. Um zehn Uhr am Parkplatz  angekommen, macht sich erst einmal Erleichterung breit. Wir scheinen die ersten zu sein. Vielleicht haben wir Glück und bleiben auch erstmal unter uns.

Kurz orientieren, der letzte Besuch ist schon wieder drei Jahre her und im Wald sind aktuell einige Forstarbeiten zugange – ein Blick auf die wirklich gut für Smartphones aufbereitete Seite www.gleesbouldering.com und wir starten Richtung Sektor Mauerley.

Etwas Leichtes zum warmwerden, die Finger an den äußerst rauen Basalt gewöhnen und dem Kopf verständlich machen, dass die Routen hier ja gar nicht mit bunten Plastiksteinen vorgegeben sind. Perfekte Bedingungen finden wir im Abschnitt „Bescherung“. Die Routen „Europäischer Blauwal/ 4b“ und „Kinderkantry (Sitzstart)/ 4a+“ gehen auf Anhieb gut von der Hand und machen von der ersten Sekunde Lust auf mehr.

Marco in der umbewerteten Traverse, einfachmalraus.net

Marco in der umbewerteten Traverse

André im Aufschwung nach der Traverse, einfachmalraus.net

André im Aufschwung nach der Traverse

Im Sektor Kamel steigen wir in eine nicht beschriebene Traverse ein. Am langen Arm geht es etwa fünf Meter um den Block herum und direkt im Anschluss einer geraden Linie auf den Block rauf. In einem durchgestiegen eine ziemlich kraftraubende Angelegenheit. Die Traverse alleine würde ich etwa 5a, den gesamten Durchstieg 5c bewerten.

Vorbei am leider fürs Bouldern gesperrten Mauerley Hauptteil (Die Wand ist Naturdenkmal und daher ganzjährig fürs Bouldern gesperrt) wechseln wir nun in den Sektor Elefant. Hartwig, der schon seit über zwanzig Jahren in Burgbrohl/ Glees bouldert, viele Probleme mit erschlossen hat, und zufällig vorbeikommt, erzählt uns, dass dies einer der ersten beboulderten Abschnitte im Wald ist. Um wieder ein Gespür für Steine und draußen Bouldern zu bekommen genau das richtige.

Die Route Elefant ist mit 5a/5b bewertet. Beim ersten Anlauf merke ich gleich, wie scharfkantig Basalt sein kann. Nach dem Start im Stehen geht die linke Hand dynamisch in ein komfortables Loch. Trifft man hier aber nicht richtig, beklemmen sich die Finger gegen den rechten Rand. Wenn man da nicht drauf vorbereitet ist kann das ganz schön schmerzhaft sein. Also zweiter Versuch. Im Start blockieren, rechte Hand dazu, linken Fuß auf einen Mini-Tritt, linke Hand an die linke Kante rechten Fuß in das große Loch, rechte Hand auf Reibung, nach oben aussteigen und geschafft. Der Abstieg erfolgt entweder links oder etwas schwieriger rechts an der Wand vorbei.

Betrachten von Elefant, einfachmalraus.net

Die Route vorm Einstieg genauestens betrachten hilft beim Durchstieg!

Zweite Route am Elefant Block ist Panzerknacker, 5a bewertet. Der Einstieg ist wieder ein Stehstart. Die rechte Hand als Zange an der rechten Kante, linke Hand als aufgelegte Zange an einem angedeuteten Loch auf Brusthöhe. Als erste geht die linke Hand an die perfekte dreieckige Kante. Ich stelle den linken Fuß ans untere Ende der linken Verschneidung, den Rechten in die oberste Spitze der Verschneidung und die rechte Hand folgt an die Kante. Dabei nach Möglichkeit die Füße nicht verlieren, auspendeln raubt unnötig Kraft. Marco umgeht das indem er erst beide Hände an die Kante nimmt und dann den rechten Fuß direkt in die obere Kante der Verschneidung schiebt. Jetzt geht die linke Hand auf das rechte Ende der oberen Kante. Was man von unten nicht sieht, ist eine Schuppe auf der Oberseite. Perfekt hält der Griff, wenn der Daumen in den Riss unterhalb der Kante presst. Was jetzt folgt ist vor allem Kopfsache. Mit dem linken Fuß relativ hoch auf einer kleinen Schuppe antreten, mit der rechten Hand auf dem Dreieck zwischenstützen, die rechte Hand in das große Loch schieben, den rechten Fuß auf das große Dreieck heben und über den rechten Fuß aus dem rechten Arm hochblockieren. Die linke Hand greift in eine gute Schuppe und der Rest ist nur noch eine flach positiv geneigte, etwas moosige Platte bergauf.

Geschafft.

Fazit: 

Schade, dass wir nur einen halben Tag Zeit hatten. Ich hätte bei diesen Voraussetzungen den ganzen Tag im Wald verbringen können. Der Bereich Glees/ Burgbrohl bietet so viele Boulder in fast allen Schwierigkeitsstufen, dass es nie langweilig wird. Einziges Manko: Die Routen sind brutal bewertet. Wundert euch also nicht, wenn ihr locker einen ganzen Grad schlechter unterwegs seid als in der Halle 😉

Benimmregeln vor Ort: 

  1. Haltet den Wald sauber (Müll gehört in euren Rucksack!).
  2. Seid leise (kein Mensch braucht laute Musik im Wald, die heimischen Tiere noch viel weniger!).
  3. Wenn ihr chalkt, putzt den Fels anschließend. Schon öfter hat es in den verschiedenen Klettergebieten der Eifel ärger wegen übertriebenem Chalk-Einsatz gegeben. Griffstellen und Techmarks einfach nach dem Bouldern wieder wegputzen und alle sind glücklich!
  4. Nehmt Rücksicht aufeinandener.
  5. Beachtet Felssperrungen.
  6. Habt Spaß!

Infos: 

Alle aktuellen Infos zum Gebiet Glees/ Burgbrohl gibt es auf www.gleesbouldering.com . Hier findet ihr Topos zu den meisten Blöcken, Infos zu Sperrungen, neue Projekte und vieles mehr. Ein Besuch lohnt sich!

Bouldern: [ˈbɔʊ̯ldɐn] ,das: Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsen (daher der Name, Boulder= engl. Felsblock) oder künstlichen Strukturen in Absprunghöhe (d.h. bis zu einer Höhe von der aus gefahrlos bis zum Boden von der Wand abgesprungen werden kann).

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.