Lesbos – Perle der Ägäis

Griechenland war in der Vergangenheit für mich kein favorisiertes Reiseziel. Irgendwie nicht sexy. Vermutlich hat die durchweg negative Berichterstattung über die Wirtschaftskrise bei mir einen schlechten Eindruck über das Land hinterlassen. Meinen ersten Kontakt zur Insel Lesbos hatte ich auf einer Reise nach Norwegen. Dort hat eine Begleiterin sehr von der Insel in der nördlichen Ägäis geschwärmt. Mit der Zunahme des Flüchtlingsstroms durch die Türkei hat die Insel dann traurige Berühmtheit erlangt. Im April war ich zwei Wochen vor Ort in einem Seenotrettungsprojekt engagiert (den Bericht darüber habe ich schon veröffentlicht) und konnte mir in meiner Freizeit ein eigenes Bild machen. Meine Tipps für ein paar Tage Inselsightseeing gibt es hier:Insel im Kolpos, einfachmalraus.net
Zuerst ein Paar Fakten: Lesbos, die Insel vulkanischen Ursprungs, erstreckt sich über eine Fläche von 1600 Quadratkilometern und ist mit rund 85.000 Einwohnern eher dünn besiedelt. Neben dem Tourismus sind ein in der EU geografisch geschütztes Olivenöl, Fischerei und Ouzo die Haupteinnahmequellen der Inselbewohner. Immerhin gut 50 Prozent der griechischen Ouzo-Produktion kommen von der Ägäisinsel. Die Olivenbäume dominieren vor allem die Hänge auf der östlichen Inselseite. Enge Bergstraßen, Feldwege und Trails laden zur Ausfahrt, der Mountainbiketour oder einer ausgiebigen Wanderung ein.

Da ich ja nicht zum Urlaub machen auf der Insel war, fehlte mir leider die Zeit um ausgiebige Wanderungen oder Bike-Touren zu unternehmen. Wir haben uns an zwei Tagen ins Auto gesetzt und haben auf diesem Weg die Insel erkundet.

Die erste Tour führte uns ganz in den Norden der Insel. Im Reiseführer hatte ich von einem Unesco Weltnaturerbe gelesen. Ein versteinerter Wald sollte zu bestaunen sein. Nach drei Stunden Fahrt durch abwechslungsreiche Natur, angefangen mit nicht enden wollenden Olivenhainen über weite mit Wiese bewachsenen Hängen bis hin zu kargen, felsigen Berglandschaften stehen wir vor einem verschlossenen Tor. Ein etwas liebloses Schild teilt uns mit, dass der Geopark seit September geschlossen sei. Hier merkt man wohl, dass der Insel die Touristen fehlen. Schade eigentlich. Wir versuchen trotzdem einen Blick in das  Naturdenkmal zu werfen. Wir entdecken ein Loch im Zaun und schlüpfen kurzerhand hindurch. Immerhin sind wir ja extra deswegen gekommen. Das Areal ist sehr weitläufig als  Park angelegt, allerdings bröckelt es schon an einigen Stellen und der Weg wird von wild wuchernden Büschen überwachsen. Trotzdem finden wir einige der von der Unesco als besonders schützenswerten versteinerten Bäume. Schon beeindruckend, dass die schon seit rund 23 Millionen Jahren hier liegen sollen. Wer aber etwas besonders spektakuläres erwartet, wird wohl enttäuscht. Ein Inselhighlight sieht in meinen Augen doch irgendwie anders aus.

Der Rückweg führt uns noch vorbei am Kloster Ypsilou, welches majestätisch auf der Spitze eines Berges inmitten von karger Schotterwüste thront. Hier bewahrheitet sich in der Tat: Der Weg ist das Ziel.

Kloster Ypsilou, Lesbos, einfachmalraus.net

Unsere zweite Tour führt uns von Mytilini erst einmal nach Moria. Der kleine Ort nördlich der Inselhauptstadt hat traurige Berühmtheit erlangt, da sich dort inmitten von wunderschönen, Jahrzehnte oder Jahrhundertealten Olivenhainen das ehemalige Frauengefängnis befindet, welches im Frühjahr zum Abschiebelager für Flüchtlinge wurde. Direkt neben dem Gefängnis befindet sich das alte, wilde Sammelcamp für Flüchtlinge, welche im Winter zu Hunderttausenden Lesbos als Tor zur EU genutzt haben. Die Bilder des alten und neuen Camps machen uns alle sprachlos.

Von den Eindrücken gezeichnet, fahren wir weiter. Im Auto ist es jetzt erst einmal ganz schön ruhig. Der Anblick hat uns getroffen.

Direkt bei Moria findet sich in einem Tal auch noch eine Zeugnis davon, dass auch schon die Römer den Reiz der Insel erkannt haben und ihr ihre Technik zur Verfügung stellten. Ein Teil eines Aquäduktes aus dem 3. Jahrhundert überspannt noch heute ein weites Tal.

Unser Ziel ist es heute immer in der Nähe der Küstenlinie zu bleiben und so viel wie möglich zu sehen. Über Feldwege, welche den Namen fast nicht verdient haben fahren wir durch die Olivenhaine und erleben einen tollen Ausblick nach dem Anderen.

Auf dem Weg passieren wir immer wieder kleine malerisch gelegene Orte und ich ärgere mich sehr, dass ich nicht die Zeit habe, die Insel mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erkunden.  Auf dem Rückweg nach Mytilini machen wir noch an einer Taverne auf dem zentralen Platz des Ortes halt. Hunger hat keiner, aber der Ort ist einfach so malerisch gelegen und das Essen ist einfach zu gut.

Essen: 

Wie eigentlich auf jeder Reise habe ich auch auf Lesbos versucht mich so viel wie möglich lokal zu ernähren. Die griechische Küche hat ja deutlich mehr zu bieten als „Gyros-Teller Komplett“ oder „Bauernsalat mit Feta“, wobei letzterer eigentlich immer Teil unseres Abendessens war. Bei der Suche nach einem Platz fürs Abendessen ist mein liebster Trick: Einfach mal losziehen und schauen wo man unterkommt. Oft ist nicht das Restaurant mit dem schönsten Schild oder der leuchtendsten Reklame das beste, sondern jenes, in dem die meisten (einheimischen) Besucher sitzen. Ist die Karte dann nur auf Landessprache geschrieben, ist dies meist auch ein gutes Zeichen. Mein Bauchgefühlt hat mich bisher selten verlassen. Wer sich darauf nicht so gerne verlässt kann aber ja zum Glück mittlerweile hervorragend auf Internet-Tools Der Eingang von Antonis Ouzeri, einfachmalraus.netwie TripAdvisor zurückgreifen.

Letzteres hat mich zum Glück zu Antonis Ouzeri geführt. Die kleine Taverne oder Ouzeri ist in unmittelbarer Nähe zur Kirche von Taksiarhes am Berg gelegen. Der Blick aus der Ouzeri über den östlichen Inselteil, die Innenstadt von Mytilini, den Hafen bis hin zum kleinen Inselflughafen und über die Meerenge bis hinüber zur Türkei ist schon mal überwältigend. Darum geht es hier aber ja erst im  weiten Schritt. Schon bei unserem ersten Besuch werden wir mit offenen Armen empfangen. In diesem Jahr haben sich noch nicht viele Touristen rauf auf den Berg verlaufen. Der Chef entschuldigt sich mehrfach, dass er noch nicht alle Gerichte der Karte der Karte anbieten kann und führt uns erstmal in die Küche, wo uns der Koch mit Händen und Füßen erklärt was er uns gutes Zaubern kann.

Vor Allem steht Fisch (wie soll es auf einer Insel auch anders sein) auf dem Speiseplan. Wir ordern Bauernsalat, Dolmades (mit Reis gefüllte Weinblätter), mit Hackfleisch gefüllte Kohlblätter, Tsatsiki, frisierte Shrimps, gegrillten Fisch und Kalamari sowie Oktopus gekocht in Rotwein. Als alles auf dem Tisch steht stellen wir schnell fest, dass es eigentlich viel zu viel ist. Kurze Zeit später sind alle Teller leer. Das Essen ist einfach unbeschreiblich. Mein persönliches Highlight ist der Oktopus. Sicher mit das leckerste was ich seit langem essen durfte. Den Ouzo und den Joghurt mit kandierten Früchten lassen wir uns natürlich trotzdem nicht entgehen. Und Ouzo gibt’s bei Antonis eine ganze Menge. Wir vertrauen auf den Chef und lassen den Blick auf uns wirken.

Ihr findet Antonis Ouzeri hier: Taxiarhes KagianiMytilene 81100 (GoogleMaps link)

Aber auch viele andere TavernenDer octopus hängt zum trocknen in der Sonne, frisch! einfachmalraus.net und Ouzerien auf der Insel haben es mir angetan. Das Essen hat mich nicht einmal enttäuscht. Auch unterwegs haben wir mehrfach Stop zurEs darf auch mal Pizza sein, einfachmalraus.net Stärkung gemacht! Selbst die touristisch geprägten Restaurants am Hafen bieten solide Küche. Der Fisch ist aber auch so frisch, da kann man wohl nicht viel falsch machen.

Wer dann doch mal etwas anderes essen mag dem kann ich das kleine italienische Restaurant „dolce Vita“, am Ende der Shopping-Meile von Mytilini empfehlen. Die Pizza und Pasta ist ein Knaller!

 

Fazit:

Die Insel Lesbos hat mich total in den Bann gezogen und mit ihrer Schönheit verzaubert. Abseits vom Massentourismus findet sich in der Ägäis ein toller Ort zum Ausspannen, wandern, Fahrradfahren oder einfach nur am Meer liegen. Ein definitives Highlight meiner vergangenen Reisen. Gerne werde ich hierhin zurückkehren.

Anreise:

Ich bin mit dem Flugzeug nach Mytilini geflogen. Der internationale Flughafen liegt direkt am Meer etwa fünf Kilometer ausserhalb der Inselhauptstadt. Aus Deutschland fliegen zum Beispiel Air Berlin und Lufthansa aus Berlin und München direkt auf die Insel.

Mit der Fähre erreicht man Lesbos entweder von Piraeus oder von Thessaloniki. Die Überfahrt dauert jeweils etwas über neun Stunden. Aus der Türkei dauert die Überfahrt etwa anderthalb Stunden.

Zu meinem Bericht über den Seenotrettungseinsatz geht es hier entlang.

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