Lienz – Jetzt wird’s nass

Wie wäre es mal mit Osttirol? Obschon begeisterte Berg- und Wanderliebhaber hatten wir die Lienzer Ecke bislang kaum auf dem Schirm. Das haben wir übrigens mit vielen anderen Österreich-Touris gemeinsam, weshalb die Gegend rund um Lienz durchaus noch als Geheimtipp gelten darf. Kein Massenandrang, entspanntes Übernachtungsangebot und faire Schnitzelpreise haben dafür gesorgt, dass wir die Region sofort ins Herz geschlossen haben.

Blick vom Balkon zum verlieben, einfachmalraus.net

Der Blick vom Balkon ist einfach zum verlieben!

Unser Plan für ein verlängertes Wochenende: Ein bisschen den Gletscherfluss hinunter schwimmen, dann das Ganze nochmals per „Gummiboot“ und zum Schluss der ultimative Test, wie viel Spaß es macht, sich mitten durch einen Wasserfall nach unten abzuseilen. Fazit: Ja, wir wurden in den vier Tagen ziemlich nass. Zwischendurch war’s auch gut kalt. Und vor allem war es einfach großartig.

Luci im Wildwasser, einfachmalraus.net

Luci im Wildwasser der Drau

Über acht Brücken sollst du gehen

Klar gibt es rund um Lienz eine fantastische Bergwelt. Die Gebirge der Hohen Tauern etwa, die Venedigergruppe oder auch die Lienzer Dolomiten sind mehr als schöne Kulisse. Doch diesmal stand nun einmal nicht der Gipfelsturm, sondern Wildwasserabenteuer auf dem Programm. Das kleine Städtchen Lienz ist dafür der optimale Ausgangspunkt, denn hier mündet der Gletscherfluss Isel in die kleinere Drau. Die mächtigen Strudel, Wellen und Verblockungen kann man in Lienz von einer der acht Brücken – fünf über die Isel, drei über die Drau – bewundern. Man kann aber auch näher ran. Am besten im Neopren und in Begleitung der Wasserrettung. So bekleidet und mit erfahrenen Strömungsrettern an der Seite ist die Überwindung in die eiskalten Fluten zu hüpfen nicht mehr so groß. Wir hatten nämlich das Glück, bei einem Workshop der Wuppertaler DLRG dabei sein zu dürfen. Die Profis zeigten uns, worauf es beim Schwimmen in fließendem Gewässer ankommt, wie man Strömungen einschätzen lernt und unbeschadet durch den Sog der Strudel kommt.

Unser knallrotes Gummiboot

Die Gewalt des Wassers bei den ersten Schwimmzügen war dann trotz der guten Vorbereitung ein kleiner Schock. Aber ein lehrreicher – und nach einigen Versuchen wurden wir sicherer im Element Wildwasser. Ans Ufer haben wir es nach diesem Intensivkurs alle geschafft und waren somit bestens gewappnet für die nächste Herausforderung: Rafting. Die meisten Touren starten von St. Johann im Walde aus und es gibt wirklich für alle Schwierigkeitsgrade den passenden Flussabschnitt. Unsere Variante ging von dort direkt zurück nach Lienz. Das Highlight: Kurz vor der ersten Stadtbrücke gibt es einen besonders kniffligen Streckenabschnitt. Links und rechts bereits die idyllischen Häuserfassaden, dazwischen tosende Wasser und wir mittendrin im roten Gummiboot. Die Verblockung vor der Brücke muss genau im richtigen Winkel angefahren werden und dann heißt es „Alle vorwärts“, also paddeln, was die Muckis hergeben.

(Die Wegstrecke könnt ihr euch hier genau anschauen und hier als gpx Datei herunter laden.)

Wildwasser von oben und von unten

Wasser und Klettern verbinden? Die Antwort lautet Canyoning und genau das hatten wir uns fest für Tag drei vorgenommen. Allerdings war uns der Wettergott, der die letzten beiden Tage wirklich alles gegeben hatte, nicht mehr so hold. Die Tour zur Frauenbachklamm haben wir aus Vernunftgründen gestrichen. Zu groß die Gefahr, dass die Höhlen bei plötzlich einsetzendem Starkregen überflutet würden. Doch Alternativen gibt es genug. Wir entschieden uns für die Wunzenschlucht bei Obervellach. Gut 20 Minuten ging es vom dortigen Campingplatz nach oben. Mit halb angezogener Neopren-Montur kamen wir beim Anstieg ziemlich ins Schwitzen und so hüpften wir oben in den ersten Gumpen zur Abkühlung. Dann ging es auch schon los mit Abseilen. Insgesamt 14 Wasserfälle bietet die Schlucht, den Großteil meisterten wir mit Seil, aber auch eine Sprungstelle und eine Rutsche sind dabei. Der höchste Wasserfall ist übrigens 35 Meter und ganz ehrlich: An dieser nassglatten Felswand wird einiges an Adrenalin frei. (Leider hat die Speicherkarte im Canyon Ihren Dienst quittiert. Daher von diesem tollen Erlebnis keine Bilder).

Noch ein bisschen Höhenluft

Zurück in Lienz hieß es dann leider schon wieder Koffer packen. Doch auch den Heimreisetag wollten wir nicht ausschließlich auf der Autobahn verbringen. Mit Klettergurt und Helm ausgerüstet ging es am Vormittag noch für einen kurzen Abstecher in die Galitzenklamm. Auch hier gibt es natürlich jede Menge Wasser. Der Galitzenbach rauscht spektakulär ins Tal und darüber thronen die Lienzer Dolomiten. Die perfekte Klettersteigkulisse also. Wir entschieden uns für den Klassiker, den Klettersteig Galitzenklamm. Nach dem Überqueren der Seilbrücke ging es die steile Plattenwand nach oben: 80 Höhenmeter am Drahtseil machen den Kopf frei – mehr Kurzurlaub geht nicht.

(Einen Bericht über die Klettersteige am Galitzenbach gibt es hier)


Dirk ist immer begeistert von seinen Touren und die Frage kam, ob das seine Mitreisenden bestätigen können. Deshalb gibt es nach der letzten Aktion „Wasserabenteuer in Lienz“ zur Abwechslung auch mal einen Gastbeitrag: Luci arbeitet im normalen Leben als Redakteurin in der Unternehmenskommunikation. Das Herz der Wahlkölnerin und gebürtige Bayerin schlägt jedoch für die Bergwelt und so durfte sie Ende Mai „Einfach mal raus“ mit Dirk.

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