Außen Eis, innen heiß – Im Iglu auf der Zugspitze

Einen Sonnenaufgang in den Bergen zu erleben, ist immer toll. Ist man dann auch noch auf der Zugspitze und hat die Nacht dort oben verbracht, ist es etwas ganz besonderes. Ich habe schon einige Nächte in den Bergen erlebt. Wie ich die Nacht im Winter auf der Zugspitze verbracht habe, war dann aber doch etwas anderes.

Sonnenaufgang auf der Zugspitze, www.einfachmalraus.net

Die Freude war groß, als Anfang Januar die Einladung für ein Wochenende in Garmisch-Patenkirchen ins Haus flatterte. Gerade war ich vom Ski-Fahren in Zell am See wieder gekommen und wusste nicht, wann ich wohl das nächste Mal auf Skiern stehen würde. Dabei hatte ich ja gerade Gefallen daran gefunden.

Also wieder Sachen packen, Akkus laden und einen Zug in Richtung Süden nehmen.

Nach einem deftigen Abendessen (man muss ja Energie für den nächsten Tag tanken) ins Hotelbett und schlafen. Wer weiß wie anstrengend die nächsten Tage werden. Außerdem macht Zugfahren mich immer ein wenig träge.

Der Blick aus dem Hotelzimmer am nächsten Morgen lässt noch so gar keine Ahnung zu, wie das Wetter über den Tag wohl noch werden mag.Blick aus dem Hotelzimmer, www.einfachmalraus.net

Über Nacht ist ein wenig frischer Schnee gefallen. Die Tannen sind wie mit Puderzucker bestäubt. Die Straßen und Autos rund ums Hotel sind aber schneefrei. Hmm. Also erstmal auf das Schlimmste einstellen. Merino-Unterwäsche, Skihose, Funktionspullover, wärmende Schicht und Hardshell. Bisher hat sich der Zwiebel-Look immer bewährt. Raus aus dem Hotel und vor der Türe erst einmal die Handschuhe und die wärmende Schicht wieder ausziehen. Hier im Tal ist es doch einfach zu warm.

Mit der Eibsee-Seilbahn geht es erstmal rauf auf das Zugspitz-Gipfel-Plateau. 2000 Meter Höhenunterschied mit nur zwei Stützen in rund zehn Minuten. Manchem Begleiter wird bei dem Gedanken daran schon ein wenig schummrig. Bei minus 16 Grad verlassen wir die Seilbahn. Hier oben sind wir mitten in der Wolke und es kommt leichter Wind auf. Ganz schön ungemütlich. Nach einer kurzen Orientierung (durch die Baustelle der neuen Eibsee-Seilbahn ist auf der Zugspitze gerade einiges anders) steigen wir direkt wieder in den nächsten Lift. Mit der Gletscherbahn geht es Richtung Zugspitzplatt. Im Schneetreiben kann man das auf der rechten Seite vorbeiziehende Schneefernerhaus bestenfalls erahnen. In wenigen Augenblicken stehen wir am Gletscherrestaurant Sonnalpin. Hier treffen wir auf das Team des Iglu-Dorfs Zugspitze. Bei einem wärmenden Getränk bekommen wir eine kurze Einführung und Sicherheitsunterweisung sowie einen Überblick über den Aufenthalt im Iglu-Dorf. Anschließend erhält jeder seinen Expeditionsschlafsack und dann geht es in einer langen Schlange auf den Fußmarsch in Richtung unseres Schlafplatzes für diese Nacht.

Am Eingang zum Iglu-Dorf bin ich etwas verwundert und ich merke schnell, es geht nicht nur mir so. Wir stehen vor einer großen Türe aus Holz in einem Riesen Haufen Schnee. Dahinter verbirgt sich ein langer Flur mit davon abgehenden Türen. Fur im Iglu-Dorf, www.einfachmalraus.net

In meiner Vorstellung hatte ich wohl eher einzelne, freistehende Iglus erwartet statt ein großes Eishotel. Macht aber gar nichts. Die nächste Stunde haben wir Zeit das Eishotel zu erkunden. Da es draußen mit minus sechzehn Grad und starkem Wind und Schneefall recht unbequem ist, finde ich das aber auch gar nicht so schlecht. Immerhin gibt es eine Menge zu entdecken. Unter dem Motto „Tibet“ sind alle Räume (beziehungsweise „Iglus“) und die Gänge kunstvoll verziert. Ein dreiköpfiges Künstlerteam, bestehend aus einem Bildhauer und zwei Gehilfen arbeitet immerhin über drei Wochen bis alle Räume in Ihrem vollen Glanz erstrahlen. Der Rohbau der Iglus ist in durch eine spezielle Methode bereits nach etwa einer Woche vollbracht.

Nach einer ersten Orientierung treffen wir uns alle wieder im „Gemeinschafts-Iglu“. Hier gibt es erstmal wieder einen heißen Tee. Die minus drei Grad im Iglu und die immerhin 2.500 Meter Höhe sind nicht zu unterschätzen. Einige meiner Begleiter sind auch nach ein paar Schritten ganz schön am Schnaufen. Mit der warmen Tasse Tee in der Hand folgt eine weitere Ansprache des Teams. Ein wichtiger Tipp ist zum Beispiel, dass man nicht zu dick eingepackt in den Expeditionsschlafsack kriechen soll. Nur wenn der Körper Wärme abstrahlen kann, kann sich die Luft im Schlafsack erwärmen und für eine wohlige Wärme sorgen. Ein weiterer Tipp ist es, alle Bekleidungsstücke für den nächsten morgen im Fußraum des Schlafsacks zu verstauen. So frieren diese nicht steif und nach dem Aufwachen ist die Überwindung nicht so groß den Schlafsack zu verlassen.

Da enigen trotz Tee und Glühwein die Kälte schon ganz schön tief in den Knochen steckt hilft eigentlich nur Bewegung. Also wieder die dicken Handschuhe, Mütze und noch eine Jacke übergezogen und raus vor die Türe. Es schneit und pustet immer noch ziemlich intensiv und es ist in der Zwischenzeit dunkel geworden. Ich bin froh, dass ich meine Skibrille eingepackt habe. Die Guides führen die 45 Gäste über das Zugspitzplatt und erzählen einige Anekdoten zur Zugspitze, den Gebäuden und dem Skigebiet. Ich mache derweil Fotos, da ich sie aufgrund des Wetters, der dicken Mütze und der Kapuze eh kaum verstehe. Die Stimmung hier oben ist schon irgendwie unwirklich.

Nach einer halben Stunde sind wir alle richtig durchgefroren. Zum Glück wartet wieder Tee auf jeden von uns. Der ist jetzt aber auch zwingend nötig. Das Abendessen ist auch schnell angerichtet. Eine Nudelsuppe und Käsefondue in verschiedenen Varianten bringt auf jeden Fall genügend Energie in den Körper. Abendessen im Iglu, www.einfachmalraus.net zugspitze_einfachmalraus397

Das Essen erzielt seine Wirkung. Je mehr ich esse, desto wärmer wird mir.

Um mich vor dem zu Bett gehen so richtig aufzuwärmen, gibt es noch mein persönliches Highlight arm Abend. Hinter dem Iglu-Dorf befindet sich ein Outdoor-Whirlpool und eine Sauna. Eine Viertelstunde in vierzig Grad warmen Wasser sind schon etwas tollen. Vor allem wenn es um einen herum so kalt ist, dass der Wasserdampf an den Haaren gefriert. Daher ist auch Pflicht im Pool eine Mütze zu tragen. Nach dem Pool mit frischem Pulverschnee abreiben und anschließend für zwei zehnminütige Durchgänge bei achtzig Grad in die Sauna. Anschließend ist mir so warm, dass mir ein T-Shirt und eine Jogging-Hose für den letzten Tee und das Zähneputzen reichen.

Aufwärmen im Iglu, www.einfachmalr

Im Gemeinschaftsraum ist in der Zwischenzeit eine Diskokugel und recht laute Musik eingeschaltet worden. Ich finde das ist in dieser Umgebung irgendwie fehl am Platz. Aber jedem das Seine. Ich ziehe mich gegen zehn Uhr in meinen Schlafsack zurück.

Party im Iglu, www.einfachmalr

Ich schlafe tief und fest, bis mich der Wecker um sechs Uhr morgens, eine Stunde vor dem offiziellen Wecken, aufschreckt. Das „Bett“ ist eingroßer Eisblock in unserem Iglu. Darauf liegt eine etwa zehn Zentimeter dicke Schaumstoff-Matratze und darauf ein kuscheliges Fell als Isolationsschicht. Das Bett im Iglu, einfachmalraus.net Es gibt fast nichts tolleres als den Sonnenaufgang in den Bergen zu erleben. Das will ich in keinem Fall verpassen. Ich verpacke mich wieder in meine Schichten. Gar nicht so einfach wenn man die anderen nicht wecken möchte. Aber ich komme genau zur richtigen Zeit nach draußen. Gerade fängt die Dämmerung an. Und das Wetter meint es gut mit uns. Der Himmel ist klar und der Wind ist deutlich abgeflacht.

Um halb acht ist die Sonne aufgegangen und wir können unseren ersten Tee des Tages in der Sonne trinken. Die Strahlen haben zwar schon Kraft, kalt ist es aber doch immer noch ziemlich. Nach dem Tee packen wir unsere Schlafsäcke und Rucksäcke zusammen und laufen durch traumhaften Sonnenschein und etwa fünfzehn Zentimeter Neuschnee zurück zum Sonnalpin. Hier gibt es Frühstück. Im Warmen. Das ist schon ein schönes Gefühl.

Nach einer Stärkung leihen wir uns Ski und gehören zu den ersten auf der Piste an diesem perfekten Ski-Tag. Frisch präparierte Pisten mit etwa fünfzehn Zentimeter Neuschnee. Mein Ski-Rookie-Herz macht Luftsprünge.

Ski-Tag auf der Zugspitze, www.einfachmalraus.netSki-Tag auf der Zugspitze, www.einfachmalraus.net

Fazit:

Erwartet hatte ich etwas anderes, enttäuscht wurde ich dennoch nicht. Die Nacht im Iglu-Dorf an Deutschlands höchstem Spitz ist ein tolles Erlebnis. Besonders wird es dann bei dem spektakulären Sonnenaufgang. Das Gletscherskigebiet rundet den Wochenendtripp dann auch noch ab. Hier können vor allem Anfänger wie ich und Familien so richtig auf Ihre Kosten kommen. Absolute Nachmachempfehlung. Einziges Manko: Der Preis. Die günstigste Übernachtung im Iglu-Dorf kostet 119 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Seilbahn, Verpflegung und ein Skipass.

Nützliches:

  • Alle nützlichen Infos über die Region gibt es auf der Seite des Tourismusverbandes
  • Alle Informationen zur Zugspitze, dem Skigebiet und den Bergbahnen gibt es auf der Seite der Bayrischen Zugspitzbahn
  • Informationen und Buchung im Iglu-Dorf gibt es hier

Anreise:

      • Mit dem Fernbus:
        FlixBus* bietet Fernbuslinien direkt nach Garmisch-Patenkirchen.
      • Mit dem Zug:
        Der Bahnhof Garmisch-Patenkirchen liegt direkt im Zentrum und ist bestens erreichbar. Am Wochenende gibt es umsteigefreie ICE-Verbindungen in viele Deutsche Großstädte.
      • Mit dem Auto:
        Aus Richtung Norden:
        Bundesautobahn A95 – Autobahnende
        Bundesstraße B2 (München – Garmisch-Partenkirchen)
        Bundesstraße B23 (Augsburg – Garmisch-Partenkirchen)
      • Mit dem Flugzeug:
        Der Flughafen München „Franz-Josef Strauß“ ist 120 km von Garmisch-Partenkirchen entfernt (Fahrzeit: ca. 1,5 Stunden), der Flughafen Innsbruck sogar nur 60 km (Fahrtzeit: ca. 1 Stunde).

Vielen Dank an Garmisch-Patenkirchen Tourismus, die mich zur dieser Reise eingeladen haben, vielen Dank an all die netten Menschen, die ich auf diesem Tripp kennen lernen durfte.

*Partnerlink

Iglu, Zugspitze, www.einfachmalraus.net

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