Glaskogen – Geheimtipp in der Schwedischen Provinz

Eine Woche war ich im Naturreservat Glaskogen unterwegs. Eine einsame Wanderung durch eine wunderschöne Kulisse. Mein Geheimtipp für einen Trecking-Trip in Herzen Schwedens – Ich bin nachhaltig begeistert.

Das Naturreservat liegt im Westen der Provinz Värmland und erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 28.000 Hektar. Über 300km Wanderwege führen durch das Reservat. Das seit 1970 bestehende Reservat wird seit 1972 durch eine Stiftung betreut und lädt vor allem Wanderer, Kanuten und Angler zum verweilen ein. Im gesamten Reservat gibt es offene Schutzhütten, Feuerstellen und Plumpsklos, die dem Gast den Aufenthalt erleichtern und die Natur schützen sollen. Jeder Besucher muss eine Besucherkarte erwerben. 100% des Erlöses werden wieder dem Reservat zugeführt. Die Karte kostet 40 Kronen (ca. 4,30 €) pro Tag.

Mitte April war es soweit. Endlich wieder einfach mal raus. Diesmal ging es nach Schweden. Ich fliege von Köln nach Stockholm und fahre von dort aus mit dem Zug nach Arvika. Die Zugfahrt dauert etwa drei Stunden und kostet ca. 30 €. Die Zeit nutze ich um noch mal einen Blick in die Karte zu schauen und die Seele beim Blick aus dem Fenster baumeln zu lassen. Von Arvika geht es mit dem Bus 108 nach Glava und von dort noch 16km über zu Fuß über eine Schotterpiste weiter bis zum Ausgangspunkt meiner Tour in Lennungshammar.

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Das Informationszentrum des Naturreservates. Ingo, der Reservats-Mitarbeiter ist ein wenig überrascht als er mich sieht. Zum einen bin ich als Deutscher ohne Auto und noch viel wichtiger ohne Kanu hier, zum anderen ist es um 16.30 Uhr schon kurz vor Feierabend. Ich bin aber auch der erste und einzige Gast an diesem Tag. Ich kaufe mein Reservats-Ticket und suche mir ein Plätzchen auf der angeschlossenen Zeltwiese – gar nicht so einfach wenn man alleine ist. Ingo macht mir noch einen Kaffee, bietet mir an am nächsten Tag Brötchen mitzubringen und macht sich dann auf den Heimweg. Jetzt bin ich ganz alleine. Mitten im Nirgendwo. Also: Zelt aufbauen und Abendessen kochen. Reisen macht ja bekanntlich hungrig.

Nach einer ganz schön kalten Nacht im Zelt – vier Grad unter Null waren es laut Wetterbericht kann ich endlich starten. Also Zelt in die Sonne, welche mir auch heute gewogen zu sein scheint, Schlafsack und Isomatte in den Rucksack, Gamaschen raus (das Gras und die Büsche sind sicher noch ziemlich nass vom Reif) und erst mal Frühstücken. Ingos Kaffee und Brötchen sorgen dafür, dass ich mein Proviant schone. Allerdings muss ich auf Ihn warten. Ich glaube er hält mich für einen ziemlichen Streber. Als er um neun ankommt bin ich mit gepacktem Rucksack bereits fürs Frühstück.

Ich habe mich dafür entschieden einen Teil des Rundwegs um den Stora Gla zu laufen. Die Entscheidung ist nicht so richtig leicht gefallen, bei über 300km Wanderwegen im Reservat. Bereits nach einigen Metern verlässt der Wanderweg die Schotterpiste und es geht direkt in die wilde Natur. Über enge Trampelpfade geht es über eine Anhöhe.

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Ich laufe immer der hervorragenden Beschilderung folgend über felsigen Waldboden. Jetzt bin ich wirklich froh die Gamaschen angezogen zu haben. Es ist in der Tat noch ganz schön feucht und kalt. Immer mal wieder kann ich einen Blick aus dem Wald in die Umgebung erhaschen. Ich merke deutlich, dass um mich herum nur Natur ist. Es ist zwischenzeitlich so still, dass ich nur meine Schritte und den Wind in den Bäumen höre.

Nach etwa drei oder vier Kilometern fällt der Weg merklich ab. Ich komme zum Ufer des Sees. Mit Blick auf den See laufe ich immer weiter. Ich finde immer wieder deutliche Spuren von wilden Tieren. Gerade Elche hinterlassen eine Menge Dung. Ich sehe tatsächlich an einer Kuppe einen Elch. Leider bin ich zu langsam und er ist verschwunden als ich die Kamera im Anschlag habe.

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Ein festes Tagesziel habe ich nicht. Ich möchte an einer der zahlreichen Schutzhütten übernachten. Gegen 16 Uhr finde ich eine Hütte in unmittelbarer Nähe zum See. Eine kurze Inspektion zeigt: Ich bin nicht ganz alleine. Die Schutzhütte wird bevölkert von Unmengen Krabeltier. Also baue ich mein Innenzelt in der Schutzhütte auf. Passt genau. Bevor die Sonne ganz verschwunden ist mache ich mir noch ein Feuer in der Feuerstelle und lasse mir mein Abendessen schmecken. Der Sonnenuntergang ist grandios.

Am nächsten Tag geht es nach einem Bad im See (Hygiene muss sein, auch bei nur wenigen Grad über dem Gefrierpunkt) weiter.

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Heute führt mich der Weg über einige Schären und über hölzerne Stege. Teilweise sind diese Stege so knapp über dem Boden, dass das Wasser spritzt.

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Gegen Mittag bin ich gerade wieder auf solchen Stegen unterwegs als mir das Blut in den Adern gefriert. Ich hatte im Reservat schon an einigen Stellen Hinweisschilder gesehen, dass es wieder Bären, Wölfe und Luchse in der Gegend gäbe. Plötzlich kommt ein sehr großer, sehr Wolf-ähnlicher Hund auf mich zu und streift mir um die Beine. Ich kann mich vor Angst nicht bewegen und hoffe er verschwindet wieder. Sekunden kommen mir wie Minuten vor. Nach einigen Augenblicken ruft jemand auf Deutsch „Bello, komm sofort her!“. Ich glaube man kann den Stein, der von meinen Schultern fällt hören. Ich sammle mich und mache die letzten Schritte über eine Anhöhe. Dort steht die Schutzhütte, die mir als Unterkunft für die nächste Nacht dienen soll. Sie ist noch besetzt von sechs Kanuten aus Dortmund. Sie entschuldigen sich für „Bello“ packen ihre Kanus und machen sich wieder auf den Weg. Ich bin wirklich froh, jetzt wieder meine Ruhe zu haben. Ich freue mich noch eine Dose Bier in meinem Rucksack zu haben. So ein Stress.

Die nächsten Tage bin ich wieder ganz für mich allein. Zwei Tage begegne ich niemandem, erst am vorletzten Tag meiner Tour treffe ich mitten im Wald in strömendem Regen auf drei junge Russen. Sie berichten mir, dass ich kurz vor meinem Ziel bin. Einer echten Hütte. Mit Betten. Und einem Waschhaus. Mit kaltem Wasser…

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Aber nach zwei Tagen Regen ist alles irgendwie klamm. Ich verteile meine Sachen in der ganzen Hütte. Mit mir sind noch zwei Schweden dort, die eigentlich zum Angeln gekommen sind, die Hütte aber aufgrund des Wetters seit drei Tagen nicht verlassen haben. Das Bett ist eine Wohltat und erstaunlich bequem.

Am nächsten Morgen spielt das Wetter dann auch wieder mit. Die Sonne begleitet mich auf meinem Weg nach Arvika. Dort übernachte ich noch eine Nacht auf dem Camping Platz. Eine warme Dusche ist ja so von wohltuend. Außerdem gönne ich mir eine Pizza. Ein hoch auf die Zivilisation. Die Rückreise trete ich wieder mit dem Zug und dem Flugzeug über Stockholm an.

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Mein Fazit: Das Naturreservat Glaskogen ist ein echter Geheimtipp. Wunderschöne Natur laden ein zum Wandern, Kanufahren und entspannen. Gerade in der Vorsaison kann man die Schönheit der Natur fast ungestört genießen. In jedem Fall eine Reise wert!

Infos:

Tipp: Wer nicht wie ich im Frühjahr sondern im Herbst unterwegs ist sollte immer eine orange Warnweste dabei haben und/ oder seinen Rucksack markieren. Anfang Oktober startet die Elchjagd und sicher ist sicher!

10 Gedanken zu “Glaskogen – Geheimtipp in der Schwedischen Provinz

  1. Hallo,
    Danke für den schönen Bericht!
    Ich fahre nächsten Monat seit vielen Jahren mal wieder in den Glaskogen und das erste Mal auch ohne Auto und ohne Kanu 😉
    Vielleicht kannst Du mir zwei Fragen beantworten?
    Welchen Weg bist Du von Glava nach Lenungshammar gelaufen? Google Maps zeigt mir Wege zwischen 16 und 19km an und leider keine 6km.
    Weißt Du, ob es in Lenungshammar Gaskartuschen von Campinggaz zu kaufen gibt und wenn ja welche, Schraub- oder Stechkartuschen?
    Hab lieben Dank und viele Grüße
    Nina

    • Hallo Nina,
      Vielen Dank für das nette Lob. Das liest man gerne. Die Schreiberei bringt also doch was 😉
      Zu deinen Fragen: du hast natürlich Recht, es müssen 16km sein. Leider schleichen sich immer wieder kleine Fehler ein. Habe ich aber schon korrigiert.
      Gaskartuschen weiß ich leider nicht. Ich habe schon lange einen Traniga Multi-Fuel Kocher und der Liter Spiritus reicht ewig.
      Viele Grüße und viel Spaß im Reservat!
      Dirk

    • Hallo Klaus,
      vielen Dank für die netten Worte. Wenn ich das nächste mal im Norden bin lässt es sich vielleicht einrichten dass auf dein Angebot zurück komme.
      Viele Grüße aus Köln

  2. Pingback: Den Rucksack richtig packen | Einfach mal raus

  3. Moin Dirk,
    Ich bin zufällig auf diesen Bericht und deine Seite gekommen und sehr begeistert, da ich zsm mit einer Freundin vor habe ebenfalls nach Glaskogen zu fahren.
    Unsere Wunschvorstellung ist es uns dort mit Kayaks oder zumindest Kanus fortzubewegen, hast du da irgendwelche Tipps für uns oder weißt vielleicht wie man diese vor Ort am einfachsten und günstigste bekommt?
    Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg 🙂
    Caro

    • Hi Caro,
      vielen Dank für dein Lob.
      Zu Kanus kann ich dir leider keinen Tipp geben, da ich ja sehr früh im Jahr unterwegs war und die Station in Lennungshammar noch quasi im Winterschlaf war. Dort würde ich es aber in jedem Fall mal versuchen. Die waren sehr nett und auskunftsfreudig!
      Viele Grüße aus Köln
      Dirk

  4. Moin Dirk,

    zwar bin ich nie ohne Auto in Lennungshammar gewesen, aber die Eindrücke des Glaskogen-Naturreservats kann ich nach mehreren Besuchen dort teilen. Wenngleich ich sie nie so schön versprachlichen konnte. Danke dafür.
    Ich selbst werde mich auch im kommenden April wieder auf den Weg machen und mindestens 2 Tage dort verbringen. Daher eine Frage:
    Gab es auf deiner Tour auffällig viele Waldarbeiten im Glaskogen? Es gibt durchaus Berichte, auch von offizieller Seite, dass man zu der Zeit durchaus damit rechnen muss.
    Noch eine Ergänzung: Wer statt im Frühjahr im Herbst in den Glaskogen reist, sollte eine orange Warnweste einpacken. Die Elchjagd-Saison hat dann begonnen und wird gerade in den ersten beiden Oktoberwochen intensiv betrieben. Ich habe da so meine Erfahrungen gemacht.
    @Caro: Ach ja, die Kanus: Die kann man je nach Saison direkt in Lennungshammar mieten. Es sei aber erwähnt, dass es in der Hauptsaison dort sehr sehr voll ist. die Ruhe im Glaskogen beginnt dann erst nach einigen Stunden Wanderung.

    • Hey Matthias,
      vielen Dank für dein Lob.
      Waldarbeiten gab es als ich dort war gar keine (oder ich habe sie nicht wahrgenommen).
      Vielleicht lag das aber auch daran, dass es vor allem nachts ja noch empfindlich kalt war.
      Deinen Tipp mit der Warnweste finde ich super und werde ich sofort mal in den Artikel aufnehmen.
      Viele Grüße und viel Spass in Schweden
      Dirk

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