Man in patterned shirt and helmet stands beside a blue and red boat on a wet beach with colorful boats and a green hillside in the background
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Mit dem Gravelbike durch Thailand

Zwischen Bangkok-Chaos, tropischer Hitze und der Freiheit des Unterwegsseins.

Es gibt Reisen, die lange im Kopf entstehen, bevor sie Realität werden. Thailand war für mich nie Neuland. Ich war schon oft mit dem Rucksack in Südostasien unterwegs, habe Nachtzüge genommen, Inseln entdeckt, Streetfood gegessen und mich treiben lassen. Doch dieses Mal sollte alles anders werden. Keine Busse, keine Inlandsflüge, kein klassisches Backpacking. Stattdessen: Bikepacking.

Die Idee war simpel und gleichzeitig ziemlich verrückt. Ich wollte Thailand aus eigener Kraft erleben – langsam, intensiv und Kilometer für Kilometer. Während meine Frau bereits auf Ko Pha Ngan auf mich wartete, startete ich mein Abenteuer in Bangkok. Dazwischen lagen hunderte Kilometer, tropische Hitze, unzählige Eindrücke und die Frage, ob ich diese Tour wirklich schaffen würde.

Die komplette Komoot-Collection zur Tour findet ihr hier.


Der härteste Start: Bangkok auf zwei Rädern

Schon der erste Tag hatte es in sich. Wer schon einmal in Bangkok unterwegs war, weiß: Diese Stadt schläft nie. Lärm, dichter Verkehr, hupende Autos, tausende Roller und ein Tempo, das einen sofort verschluckt. Und genau dort stand ich plötzlich mit meinem voll beladenen Gravelbike.

Die ersten Kilometer fühlten sich weniger nach Abenteuer und mehr nach Überlebensmodus an. Ich musste mich erst daran gewöhnen, mit Gepäck durch den chaotischen Verkehr zu navigieren. Konzentration pur. Gleichzeitig war da aber auch dieses besondere Gefühl: Jetzt geht es wirklich los.

Nachdem ich Bangkok langsam hinter mir gelassen hatte und zum ersten Mal Richtung Küste fuhr, wurde die Landschaft immer grüner und ruhiger. Kurz bevor ich das erste Mal das Meer erreichte, führte die Route durch einen Mangroven-Nationalpark. Genau dort wartete eines der ersten wirklich unvergesslichen Erlebnisse dieser Reise auf mich.

Mitten auf dem Weg lag plötzlich ein riesiger Waran. Durch den Schatten habe ich ihn erst im letzten Moment erkannt und beinahe überfahren. Für einen kurzen Augenblick bin ich wirklich erschrocken. Diese Tiere wirken in freier Wildbahn noch einmal deutlich imposanter als auf Bildern. Rückblickend gehört genau diese Begegnung zu den Momenten, die eine Reise unvergesslich machen.

curled lizard on a circular pedestal beside a sunlit walkway with dense shrubs in the background.

Tropische Hitze und erste Zweifel

Die ersten beiden Tage waren brutal heiß. Nicht einfach nur „Sommerurlaub-heiß“, sondern diese schwere, tropische Hitze, die permanent auf dem Körper liegt. Schon morgens lief der Schweiß, am Nachmittag fühlte sich jeder Anstieg doppelt so schwer an.

Am zweiten Tag kam dann der mentale Tiefpunkt.

Ich merkte plötzlich, wie sehr mich die Temperaturen und die Belastung auslaugten. Die Euphorie des Starts war verschwunden und zum ersten Mal stellte ich mir ernsthaft die Frage, ob ich die Tour überhaupt durchziehen kann. Genau das ist beim Bikepacking oft die größte Herausforderung: Nicht die Strecke, sondern der Kopf.

Während man beim klassischen Reisen jederzeit in einen Bus steigen oder spontan umplanen kann, sitzt man beim Bikepacking mitten in der Realität. Jeder Kilometer muss selbst gefahren werden. Jeder Gegenwind ist echt. Jede Pause verdient.

Ich erinnere mich noch gut an diesen Moment irgendwo an einer Straße im Nirgendwo Thailands. Müde, komplett verschwitzt und mit vielen Zweifeln im Kopf. Aber genau dort passierte auch etwas Entscheidendes: Ich fuhr trotzdem weiter.

Nicht schnell. Nicht heroisch. Einfach weiter.

Zwischen Zeltromantik und klimatisierten Zimmern

Ursprünglich hatte ich geplant, einen Teil der Reise klassisch im Zelt zu verbringen. Gerade das gehört für viele zum Bikepacking dazu: irgendwo mitten in der Natur aufzuwachen, den Sonnenaufgang vor dem Zelt zu erleben und komplett unabhängig unterwegs zu sein.

Nach den ersten Tagen in Thailand habe ich diesen Plan allerdings relativ schnell über Bord geworfen.

Die Temperaturen und vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit waren selbst nachts extrem intensiv. Statt erholsamem Schlaf hätte das vermutlich eher zu noch mehr Erschöpfung geführt. Rückblickend war es definitiv die richtige Entscheidung, auf Unterkünfte umzusteigen.

Und ehrlich gesagt: Thailand macht einem das ziemlich leicht. Über Agoda und Booking habe ich unterwegs immer wieder wunderschöne und gleichzeitig günstige Unterkünfte gefunden – oft spontan am selben Tag.

Unterkünfte entlang der Route:

Tinidee Trendy Bangkok Klassisches Hotel zum Rad aufbauen, Reste organisieren und klar kommen. 

Baan Siriporn Resort Nette Bungalows am Fluss. Leider kein Restaurant und wenig los. 

Radisson Hotel Cha Am/ Hua Hin Riesiges Hotel. Würde ich eigentlich einen Riesen Bogen drum machen. Aber das Upgrade aufs Uprade wurde ne Suit. Hat meinen Tag und wohl auf die Tour gerettet. 

Bamboo Sea and Sand Sehr schöne Hütten aus Bambus direkt am Strand. Tolle Besitzerin die sich liebevoll darum gekümmert hat, dass ich noch was zu essen bekomme. 

Sangjun On Beach Resort Zwei Bungalows direkt am Strand und drei Bambushütten im Garten. Ich hatte eine der Hütten, die völlig in Ordnung war. Gegessen habe ich an einer Strandbar einige 100 m entfernt wunderbar. 

Rub Lom Chom Klong Homestay Highlight an diesem Homestay war der Weg dorthin und die wahnsinnig liebevolle Gastgeberin. Sie hat mich am Abend sogar noch zum Nachtmarkt von Chumpon gefahren, damit ich was zu essen bekomme.

Cozy Bungalow nach einer relativ kurzen Etappe hatte ich kurz überlegt, diese Reservierung zu skippen. Zum Glück habe ich mich dagegen entschieden. Der Bungalow war super und die Bar in der Nähe ebenfalls.

Papankorn Hotel Einfaches und zweckmäßiges Hotel in Surat Thani. Fußläufig vom Nachtmarkt entfernt.

Longtail Beach Resort seit Jahren unsere Homebase auf Ko Phangan? Einfach ein Paradies wo man gerne zurückkommt.

Gerade nach einem langen Tag auf dem Fahrrad waren eine kalte Dusche, funktionierende Klimaanlage und ein bequemes Bett manchmal Gold wert.


Tierische Begegnungen – zwischen Adrenalin und purem Respekt

Wirklich herausfordernd wurden allerdings die vielen Begegnungen mit wilden Hunden entlang der Strecke.

Gerade in kleineren Orten oder auf abgelegenen Straßen kam es immer wieder vor, dass mehrere Hunde bellend auf die Straße liefen und aggressiv hinter mir herjagten. Anfangs war das jedes Mal ein kleiner Adrenalinschub. Besonders unangenehm wurde es, wenn gleich mehrere Hunde gleichzeitig lossprinteten und immer näher kamen.

Zum Glück hatte ich eine kleine Pfeife dabei, die einige der Hunde tatsächlich abgeschreckt hat. Noch überraschender war aber, was langfristig am besten funktioniert hat: langsamer werden.

Eigentlich total gegen jede Vernunft.

Der erste Impuls ist natürlich, möglichst schnell wegzusprinten. Doch genau das scheint bei vielen Hunden den Jagdinstinkt erst richtig auszulösen. Sobald ich langsamer wurde, verloren sie oft erstaunlich schnell das Interesse und trotteten irgendwann wieder zurück.

Trotzdem blieb jede Begegnung angespannt. Vor allem, weil man nie genau wusste, wie die Tiere reagieren würden.

Und dann kam Tag sechs.

Nach einem Besuch in einem Tempel dachte ich eigentlich, ich hätte inzwischen alles erlebt. Kurz nachdem ich weitergefahren war, liefen plötzlich mehrere Affen hinter mir her. Und die waren deutlich hartnäckiger als die Hunde.

Weder Rufe noch langsamer werden haben irgendetwas gebracht.

In dem Moment habe ich ehrlich gesagt einfach nur noch versucht wegzukommen und ordentlich in die Pedale getreten. Vielleicht war die Angst irrational – aber wenn mehrere Affen auf einen zulaufen, während man alleine irgendwo in Thailand unterwegs ist, fühlt sich das plötzlich ziemlich ernst an.

Auch solche Situationen gehören am Ende zum Bikepacking dazu. Man erlebt nicht nur Landschaften und schöne Unterkünfte, sondern eben auch die unkontrollierbaren, wilden Momente, die man niemals planen kann.


Thailand abseits der Touristenrouten

Und genau dafür wurde ich belohnt.

Denn je weiter ich Bangkok hinter mir ließ, desto mehr begann diese Reise ihren ganz eigenen Zauber zu entfalten. Kleine Straßen statt Highways. Palmen statt Hochhäuser. Straßenstände, an denen ich eiskalte Getränke kaufte. Freundliche Menschen, die neugierig auf das voll beladene Fahrrad blickten und mir lächelnd zunickten.

Thailand fühlt sich auf dem Fahrrad komplett anders an. Man nimmt Gerüche intensiver wahr, hört jedes Geräusch und erlebt die Landschaft viel unmittelbarer. Zwischen kleinen Dörfern, Tempeln und endlosen Straßen entstand dieses besondere Gefühl, das wahrscheinlich jeder Bikepacker kennt: Freiheit.

Es ging plötzlich nicht mehr darum, möglichst schnell anzukommen. Sondern darum, unterwegs zu sein.


Warum Bikepacking eine Reise verändert

Diese Tour hat mir gezeigt, wie anders man ein Land erlebt, wenn man es aus eigener Kraft bereist. Die Distanzen bekommen eine neue Bedeutung. Man spürt Wetter, Erschöpfung und Fortschritt viel intensiver.

Gerade Thailand eignet sich dafür überraschend gut. Die Infrastruktur ist vielerorts besser als erwartet, kleine Shops findet man fast überall und die Menschen begegnen einem unglaublich offen. Besonders überrascht hat mich allerdings, wie häufig es wirklich gute Radwege gab. Damit hatte ich vor der Reise ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Vor allem entlang einiger Küstenabschnitte und größerer Straßen konnte ich teilweise entspannt und sicher fahren – ein echter Luxus nach dem Verkehr rund um Bangkok.

Gleichzeitig fordert das Klima einen enorm heraus – besonders, wenn man wie ich aus Mitteleuropa kommt und nicht an tropische Temperaturen gewöhnt ist.

Bikepacking bedeutet eben nicht nur schöne Sonnenuntergänge und perfekte Instagram-Momente. Es bedeutet auch Zweifel, Schweiß, Müdigkeit und Situationen, in denen man sich fragt, warum man das eigentlich macht.

Und genau deshalb bleiben solche Reisen so lange im Kopf.


Ankommen auf Ko Phangan

Mit jedem gefahrenen Kilometer wurde aus Unsicherheit langsam Stolz. Irgendwann war klar: Ich werde diese Tour schaffen.

Der letzte Abschnitt der Reise führte mich schließlich nach Don Sak, von wo aus ich mit der Fähre erst nach Ko Samui und anschließend weiter nach Ko Pha Ngan gefahren bin. Nach all den Tagen auf dem Fahrrad fühlte sich allein die Überfahrt schon fast surreal an.

Doch die Reise hatte sich ihren letzten Härtetest aufgehoben.

Auf Ko Pha Ngan warteten auf den letzten 18 Kilometern noch einmal über 500 Höhenmeter auf mich. Und das nach Tagen in der Hitze und hunderten Kilometern in den Beinen. Diese letzten Anstiege haben mich ehrlich gesagt beinahe gekillt. Teilweise ging es brutal steil bergauf und ich musste mich Meter für Meter nach oben kämpfen.

Als ich schließlich oben angekommen bin, war da vor allem eines: pure Erleichterung.

Aus dem anfänglichen Kampf war Routine geworden. Aus Respekt vor der Strecke wurde Vertrauen in mich selbst.

Und am Ende wartete nicht nur eine tropische Insel, sondern auch meine Frau auf Ko Phangan.

Ein ziemlich perfektes Ende für mein erstes großes Bikepacking-Abenteuer in Thailand.

Tipps zum Packen für eine mehrtägige Bikepacking Tour gibt es übrigens hier.